Kurdischen Ärztinnen und Ärzte stehen hier in der Verantwortung

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, Wie Ihnen bekannt ist, ist am 7. November 2018 die damals noch inhaftierte HDP Abgeordnete Leyla Güven gegen die Isolation des kurdischen Repräsentanten Abdullah Öcalan und für die Wiederaufnahme des Dialogs zwischen der türkischen Regierung und der kurdischen Seite in einen unbefristeten Hungerstreik getreten. Mittlerweile haben sich tausende politische Gefangene in den Gefängnissen der Türkei diesem unbefristeten Hungerstreik angeschlossen. Auch in Südkurdistan, Kanada und Europa befinden sich dutzende kurdische Aktivisten und PolitikerInnen in einem unbefristeten Hungerstreik, allein 14 Personen seit dem 17. Dezember 2018 in Straßburg. Der Hungerstreik ist eine passive und friedliche Form des Widerstandes, bei der durch die bewusste Verweigerung der Nahrungsaufnahme die Gefahr von Schäden der eigenen Gesundheit und sogar der Tod in Kauf genommen werden. Insbesondere für politische Gefangene ist der Hungerstreik eine Form des Widerstands gegen staatliche Repressionen. Mahatma Ghandi ist einer der bekanntesten Politiker, der als Leader der Unabhängigkeitsbewegung in Indien mit einem Hungerstreik zu einem friedlichen Ende der britischen Kolonialherrschaft in Indien beigetragen hat. Die Weltgesundheitsorganisation WHO definiert Gesundheit als “einen Zustand völligen physischen, psychischen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur das Frei sein von Gebrechen und Krankheit. Sich des bestmöglichen Gesundheitszustandes zu erfreuen, ist ein Grundrecht jedes Menschen ohne Unterschied der Rasse, der Religion, der politischen Überzeugung, der wirtschaftlichen oder sozialen Stellung.” Der Gesundheitszustand der kurdischen Hungerstreikenden ist mehr als kritisch. Wir kurdischen Ärztinnen und Ärzte stehen hier in der Verantwortung. Es besteht dringender Handlungsbedarf für die Gesundheit bzw. Unversehrtheit der Hungerstreikenden. Es gilt zu handeln, bevor es zu spät ist. Um die internationale Öffentlichkeit und verantwortliche Institutionen, so auch das Europäische Komitee zur Verhütung von Folter, mit Nachdruck an ihre Pflichten zu erinnern, braucht es eine starke Stimme kurdischer Ärztinnen und Ärzte für Frieden in der Türkei und Kurdistan. In diesem Sinne möchten wir Sie bitten, diesen Aufruf zu unterzeichnen. Wir bitten um Rückmeldung bis zum 10. März 2019 an info@kurd-akad.com und verbleiben mit freundlichen Grüßen

Dersim Dağdeviren

Dr. Arya Issa

Dr. Abdullah Ibrahimzadeh

Gule Polat